Home / Projekte / Flucht und Asyl
PDF Drucken E-Mail
18.09.2010

alt


Flucht gehört für ganze Generationen von Irakern zur persönlichen Lebensgeschichte. Vor der systematischen Verfolgung ganzer Bevölkerungsgruppen, vor Krieg und Terror flohen während der Zeit der Ba'thregierung etliche Millionen Iraker.


Die meisten von ihnen blieben in der Region. Etwa eine Million Menschen suchte Schutz im Iran, vor den Truppen des Regimes flüchteten sich die Kurden in die unwegsamen Gebirgsregionen des Nordens. Weiterhin leben viele Tausende Iraker unter zum Teil unwürdigen Bedingungen in Syrien, Jordanien und der Türkei. Auch nach Europa sind irakische Flüchtlinge gekommen, um in Sicherheit eine Lebensperspektive zu finden.

Für die Betroffenen ist Flucht immer gleichbedeutend mit einer persönlichen Katastrophe. Flüchtlinge verlassen in der Regel ihre Familien, begeben sich auf einen Weg, der durch die immer effizientere polizeiliche Grenzabschirmung Europas lebensgefährlich ist und stranden in einem Land, das sie als Unerwünschte behandelt. Dennoch versuchten hunderttausende Iraker während der 1990er die Flucht aus einem Land, das von einer grausamen Diktatur regiert wurde und keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu bieten schien.

Mit der steigenden Zahl der Asylsuchenden aus dem Land wurde hierzulande die Bekämpfung irakischer Flüchtlinge seit Mitte zu einem Hauptanliegen der Asylpolitik erklärt. Es ging, in der Sprache der Fluchtabwehr gesprochen, um die »Senkung der Pull Faktoren«, also darum, das Zufluchtsland für Flüchtlinge derart unattraktiv zu machen, dass dies eine Rückwirkung auf die Entscheidung künftiger Flüchtlinge hat. Anders formuliert: Je schlechter irakische Flüchtlinge hier behandelt werden, desto weniger Menschen werden sich in Zukunft für eine Flucht nach Deutschland entscheiden. Innerhalb der EU war ein Wettlauf der Schäbigkeit in Gang gesetzt, bei dem die Einzelstaaten mit allen Mitteln versuchten, den Lebensstandard irakischer Flüchtlinge zu senken.

In Deutschland und einigen anderen Ländern geschah dies zuförderst dadurch, dass immer weniger Flüchtlinge aus dem Irak als Asylsuchende anerkannt wurden und der vermeintlich sichere Aufenthaltsstatus solcher Flüchtlingen, die sich z. T. schon seit vielen Jahren im Land befanden, widerrufen wurde. In wohlfeilen Lageanalysen wurden die Verhältnisse im Irak derart beschönigt, dass Entscheider im Asylverfahren das Bestehen einer individuellen Verfolgung ablehnen und sich dabei auf amtliche Quellen berufen konnten. WADI versuchte, dem eine auf international anerkannte Quellen fußende Analyse der Menschenrechtssituation im Irak entgegen zu setzen. Gemeinsam mit der Flüchtlingsorganisation PRO ASYL wurden zwei umfangreiche Analysen der »Berichte über die asylrelevante Menschenrechtslage« des Auswärtigen Amtes veröffentlicht, die auf jeweils über 100 Seiten die Mängel und Fehler der Berichterstattung darlegten und die Systematik staatlicher Verfolgung im Irak beschrieben.

Dem eigenen Selbstverständnis folgend stand und steht WADI auf Seiten der Verfolgten und Flüchtlinge und setzt sich auch hier für ihre Rechte ein. Dies geschah in erster Linie durch Aufklärung über die realen Verhältnisse vor Ort und der Mitwirkung an Tagungen, Kampagnen aber auch an Fortbildungen für Asylrechtspraktiker. Genauso entschieden wie wir uns an die Seite jener stellen, die hier in einem ungleichen (und oft unfairen) Verfahren ein Bleiberecht gegen die Behörden behaupten wollen, lehnen wir jede Kollaboration mit den Programmen der Flüchtlingsrückführung ab.

 
 
AKTUELLES


Hintergrund
... keinen staatlichen Sanktionen unterworfen
Eine Analyse der Mängel im aktuellen Lagebericht des Auswärtigen Amtes zum Irak 
(Hrsg. v. Pro Asyl) Frankfurt a. M., 2000
Irak - Republik des Schreckens
Der Lagebericht des Auswärtigen Amtes zum Irak und die Realität 
(Hrsg. v. Pro Asyl) Frankfurt a. M., 1999