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Gebt den Menschen eine Zukunft!
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Gebt den Menschen eine Zukunft!

Aufruf zur Unterstützung syrischer und irakischer Flüchtlinge. Wenn Menschen in ihrem Land und ihrer Region keine Zukunft mehr sehen, sollten wir sie in Europa willkommen heißen. Weit wichtiger ist es aber, ihnen diese Zukunft in ihrem Land zu ermöglichen.

 

Syrisches Mädchen in der Afrin Schule
Sommerfreizeit in der Afrin Schule
Halabja Summer of Peace
Eröffnung des Jinda Centers
Aktivitäten für yezdische Flüchtlingskinder
Ein Dank an die Spender des Halabja Summer of Peace
Verteilung von Lebensmitteln an yezidische Familien die vor dem Islamischen Staat fliehen mussten

„Marsch der Hoffnung“, so nennen Syrer eine bislang wohl einmalige Aktion. Anfang September machten sich Flüchtlinge aus aller Welt von Budapest in Richtung Wien auf und brachten damit das europäische Grenz- und Flüchtlingsregime ins Wanken. Geplant und organisiert haben diesen Durchbruch syrische Demokratie-Aktivistinnen und Aktivisten. Zu dieser Aktion kann man nur applaudieren – und es ist erfreulich, dass so viele Menschen das auch tun, statt wie noch vor 25 Jahren in Hetze gegen Fremde zu verfallen.

Doch wer jetzt nur offene Grenzen und die Aufnahme von immer mehr Flüchtlingen fordert, verkennt den Sinn dieser Aktion. Seit vier Jahren bombardiert das Assad-Regime in Syrien seine eigene Bevölkerung, weil die Menschen dort Demokratie und Menschenrechte gefordert haben. Seit vier Jahren bitten die syrischen Demokratie-Aktivisten um Unterstützung aus dem reichen Europa, von dem sie glaubten, es stünde für Demokratie und Menschenrechte: finanzielle Unterstützung, um in den vom Regime befreiten Gebieten demokratische Strukturen aufzubauen, diplomatische, um Assads mächtige Verbündete Iran und Russland in die Schranken zu weisen, Flugverbotszonen und ein bisschen Munition, um ihre befreiten Gebiete zu verteidigen. Aber diese Hilfe blieb weitestgehend aus. Europa schaute zu, wie eine Diktatur ihre Bevölkerung ermordet.

Wer jetzt nur offene Grenzen und die Aufnahme von immer mehr Flüchtlingen fordert, verkennt den Sinn dieser Aktion.
 

Mit dem "Marsch der Hoffnung" tragen die syrischen Aktivisten die Verantwortung für diese gescheiterte Nahostpolitik dorthin, wohin sie gehört. Kaum einer von ihnen wollte seine Heimat verlassen, um in Europa sein Glück zu versuchen. Doch der völlig ungehemmte Luftkrieg des syrischen Regimes gegen zivile Ziele macht ein Ausharren in vielen Gebieten unmöglich. Täglich fallen Fassbomben auf Wohngebiete, Krankenhäuser und Schulen. Allein im August kamen so 1200 Menschen ums Leben, davon über 300 Kinder. Eine halbe Million Menschen sind weitestgehend abgeschnitten von Lebensmitteln und Medikamenten, weil Assad seit zwei Jahren Hungerblockaden gegen aufständische Gebiete errichtet hat. 

Trotzdem wollen viele nicht nach Europa kommen. Sobald es innerstaatliche Fluchtalternativen gibt, versuchen die Menschen zu bleiben. In Syrien gibt es nach wie vor Gebiete, in denen die Menschen demokratische selbstverwaltete Strukturen aufbauen und verteidigen – und dabei versuchen, die aus anderen Gebieten Flüchtenden zu versorgen. Im Irak haben sich mehr als eine Million Yeziden arabischstämmige Iraker, Christen und Turkmenen vor dem „Islamischen Staat“ und schiitischen Milizen in die kurdischen Gebiete des Nordens geflüchtet. Und obwohl die kurdische Autonomieregierung selbst einen Krieg gegen den „Islamischen Staat“ führt, leistet sie gemeinsam mit der UN das Mögliche, um diese Flüchtlinge zusätzlich zu den 250.000 aus Syrien dorthin Geflohenen zu versorgen.

Dutzende von irakisch-kurdischen Organisationen haben die Flüchtlingsarbeit zu einem Schwerpunkt gemacht. 
 

Auch im Nordirak gibt es „Willkommensinitiativen“, oder vielmehr Projekte gemeinsam mit Vertriebenen. Dutzende von irakisch-kurdischen Organisationen haben die Flüchtlingsarbeit zu einem Schwerpunkt gemacht.

WADI unterstützt die Initiative des Frauenzentrums in Halabja und des Jugendradios Denge Nwe, gemeinsam mit Flüchtlingen aus Syrien und Zentralirak ein Bildungs- und Freizeitprogramm für Flüchtlinge wie Einwohner auf die Beine zu stellen. Seit Ende Mai werden unter dem Motto „Halabja Summer of Peace“ gemeinsame Aktivitäten organisiert. Anders als in Europa können die Flüchtlinge hier von Anfang an aktiv mitgestalten und ihre Fähigkeiten einbringen, so gibt es jetzt z.B. Arabischkurse für Kurdinnen im Frauenzentrum. In Afrin betreiben syrische Flüchtlinge eine Schule für Flüchtlingskinder; Wadi hilft mit Miete und Möbeln. In Dohuk hat WADI das Jinda Zentrum für jezidische Mädchen und Frauen eingerichtet, die aus der Sklaverei des „Islamischen Staats“ entkommen konnten. WADIs Mobile Teams betreuen außerdem syrische und jezidische Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern, WADIs Mobile Spielbusse besuchen regelmäßig die Kinder in den Lagern, und während des Sommers haben unsere Mitarbeiterinnen ein umfangreiches Kinderprogramm angeboten.

Insgesamt ist die Zukunft der Flüchtlingsarbeit vor Ort jedoch mehr als ungewiss. Einige Zahlen sollen dies verdeutlichen: So hat der UN-Hochkommissar für Flüchtlingsfragen (UNHCR), António Guterres, gerade vorgerechnet, dass 2014 im Schnitt täglich 42.000 Menschen zu Flüchtlingen vor bewaffneten Konflikten wurden – 2010 waren es noch 11.000. Ein großer Teil dieses Zuwachses geht auf den Konflikt in Syrien und dem Nahen Osten zurück.
 

10% weniger Geberzusagen als für das Jahr 2014 hat die UN-Flüchtlingshilfe erhalten.
 

Für fast viermal so viele Menschen soll nun aber ein deutlich kleineres Gesamtbudget reichen: 10% weniger Geberzusagen als für das Jahr 2014 hat die UN-Flüchtlingshilfe erhalten. Für die Unterstützung syrischer Flüchtlinge in der Region ist davon bisher überhaupt nur ein Drittel eingegangen. Und dabei geht man von UN-Seite für Ende 2015 von rund 4,2 Millionen syrischen Flüchtlingen im Nahen Osten aus.

Die Folgen vor Ort sind dramatisch. Im Libanon und in Jordanien musste die Nahrungsmittelhilfe für syrische Flüchtlinge drastisch gekürzt werden. Im Libanon erhalten syrische Flüchtlinge nun nur noch Gutscheine im Gegenwert von 13 Dollar vom World Food Programm – im Monat! (Das Preisniveau im Libanon ist ähnlich dem Berlins, für Mieten allerdings inzwischen vergleichbar mit München.)

Im Irak wurde gerade die medizinische Grundversorgung für die intern Vertriebenen wegen fehlender Mittel eingestellt. Von den erforderlichen 60 Millionen Dollar hatte die UN gerade einmal 5 von Geberländern bekommen. Die Schließung von über 180 Kliniken lässt Millionen Menschen ohne medizinische Grundversorgung zurück.

Die Sprecherin des UNHCR für Südosteuropa, Carlotta Sami, stellt fest, dass in Griechenland ankommende syrische Flüchtlinge zunehmend eine fehlende medizinische Versorgung, Hunger und mangelnde Grundversorgung wie Zugang zu Elektrizität als Gründe für die Flucht nach Europa angeben.
 

WADI unterstützt im Nordirak Flüchtlingsinitiativen und führt eigene Flüchtlingsbetreuung durch. Dafür brauchen wir derzeit dringend Spenden – denn so absurd es scheint: Mit der „Flüchtlingskrise“ in Europa wird das Geld für Projekte vor Ort zusammengestrichen.


Lesen Sie über unsere Projekte auf unserer Website oder in Medienberichten:

Die tageszeitung: Sich ins Leben zurücktasten; WADI hilft IS-Opfern im Nordirak

NBC: Aid Workers Help Yazidi Women Return to Life After ISIS Nightmare

Al Jazeera: Halabja gas attack victims welcome Iraqis fleeing ISIL

Bild.de: Flüchtlingskinder können wieder lernen


Wir danken für Spenden an:

WADI e.V.

IBAN: DE43500100600612305602
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