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Frauenzentren in Irakisch-Kurdistan


Die Einrichtung und Unterstützung von Frauenzentren gehört seit Anfang an zum Programm von WADI. In Irakisch-Kurdistan unterstützt WADI drei solcher „Women's Center“. Diese Zentren bieten vielen Frauen – in einem ansonsten nur Männern vorbehaltenen öffentlichen Raum – einen Anlaufpunkt außerhalb der eigenen vier Wände.


Zehnjähriges Jubiläum des Halabja Frauenzentrum im April 2014
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Die gegenwärtig drei Frauenzentren von WADI liegen in den Städten Halabja und Kifri sowie in dem Bergdorf Biara. Halabja ist das größte Zentrum, Biara das kleinste. Das Angebot für die Frauen richtet sich jeweils nach den lokalen Bedingungen und Ressourcen. Diese „Center“ sind Ankerpunkt für vielfältige Aktivitäten, seien es Unterricht, Vorträge über weibliche Genitalverstümmelung, Information über „Frauenrechte“, Computer-, Gesundheits- oder Nähkurse – auch die populären Friseurkurse gehören dazu. Im Frauenzentrum Halabja ist das wohl erste Frauencafé des Irak entstanden.

Die Zentren werden von Frauen aus den jeweiligen Orten in Eigenregie geführt. Die Mitarbeiter des WADI-Büros in Suleymania besuchen die Zentren in regelmäßigen Abständen und diskutieren den Stand der Dinge. Die Aktivität der Zentren steht und fällt mit dem Engagement der Frauen vor Ort, wobei WADI den Gedanken der Eigeninitiative fördert – etwas, das im Irak mit seinen patriarchalen Strukturen und einer sich erst langsam entwickelnden demokratischen Kultur keineswegs selbstverständlich und auch nicht immer leicht ist. Für engagierte Frauen bietet die Arbeit in solchen Zentren die Möglichkeit, sich selbst weiterzuentwickeln, und damit Vorbildfunktionen zu übernehmen.


Halabja Women's Center


Das größte der Zentren von WADI liegt in Halabja, der Stadt, die durch den Gasangriff der irakischen Armee Ende der achtziger Jahre traurige Berühmtheit erlangte. Aber damit war das Leid in der Region noch nicht ausgestanden. Nach der Rückkehr der Flüchtlinge und dem Rückzug der irakischen Armee setzten sich in den neunziger Jahren in Halabja und dem umgebenden Berggebiet fundamentalistische Gruppen fest. Sie errichteten eine islamistische Herrschaft und drangsalierten bis 2003 die Bevölkerung. Die Durchsetzung der islamistischen Normen betraf die Frauen besonders hart – fehlende Schulbildung für Mädchen und die völlige Verdrängung der Frauen aus der Öffentlichkeit gehörten zu den Folgen. Unter der Erblast der jahrelangen Fundamentalistenherrschaft leiden die Frauen in Halabja auch heute noch.

Das "Women's Center" bricht diese Strukturen auf, in dem es Frauen einen eigenen öffentlichen Raum mit vielfältigen Bildungsangeboten gibt. In dem Zentrum befindet sich eine Bibliothek, Computerräume und ein kleiner Verkaufsraum für Handarbeiten.

Im Sommer nutzen
täglich bis zu 200 Frauen das Zentrum…


Im Sommer nutzen bis zu 200 Frauen am Tag das Zentrum, im Winter ist die Nachfrage generell geringer. Das gilt für alle Zentren. Ein Teil der Räume wird nachmittags für die Alphabetisierungs- und Schulkurse erwachsener Frauen genutzt. Die Computerkurse besuchen neben Mädchen auch viele Frauen, die eine Stelle in der Verwaltung haben. Computerkenntnisse werden auch im Irak beruflich zunehmend wichtiger. Ein Internetzugang im Zentrum, der oft nachgefragt wird, ist bisher wegen der schwierigen Empfangslage des von Bergen umgebenen Halabjas noch nicht umsetzbar gewesen.

Das Spielmobil für die Region hat hier ebenso seinen Stützpunkt. Vorträge und Kurse des Zentrums behandeln Themen wie Gesundheits- und Erzierhungsberatung, juristische Fragen, FGM/Genitalverstümmelung oder Gewalt gegen Frauen. Außerdem können Frauen individuell sozialpsychologische Beratung in Anspruch nehmen.

Dass über schwierige Themen offen geredet wird, ist für viele Besucherinnen nicht selbstverständlich. Die Verantwortlichern der Programmplanung berichten, dass viele Frauen äußern, sich „machtlos“ gegenüber der „Männerwelt“ zu fühlen. Die Diskussionen hierüber tragen letztlich zum Entstehen einer demokratischen Kultur und zu einer Veränderung der Verhältnisse bei. Die Diskussionen tragen die Frauen auch in die Außenwelt. Einmal wöchentlich produziert das Zentrum die Sendung "Huma" für das Radio "Dange Nwe".

Nicht zuletzt ist das Zentrum auch ein Ort, der Spaß machen soll. Das Team organisiert regelmäßig Feste und Picknicks, wo sich die Frauen in entspannter Atmosphäre austauschen können.

Seit Früjahr 2013 ist das Radio zusammen mit dem Frauenzentrum als eigene lokale NGO Halabja Nwe registriert und erhält nun auch Unterstützung von der kurdischen Regionalregierung.


Kifri Women's Center


Die Stadt Kifri liegt in der Ebene, unweit der ehemaligen Demarkationslinie zum Teil des Irak, der bis 2003 noch unter der Herrschaft Saddam Husseins stand. Das ehemals prosperierende regionale Handelszentrum trägt noch deutlich die Züge einer Frontstadt, der große alte Bazar liegt in Trümmern.

Das Frauenzentrum von Kifri wurde 2005 in Zusammenarbeit mit einer lokalen NGO eröffnet. Das Mobile Team für die deutlich unterentwickelte Region Germian hat hier seinen festen Stützpunkt. Ähnlich wie in Halabja umfaßt das Angebot Computer- wie Friseurkurse, eine kleine Bibliothek gehört dazu, Nachhilfe für Mädchen wird dreimal wöchentlich angeboten. Im Sommer nutzen bis zu 100 Frauen täglich die Einrichtung, darunter sind viele Angehörige von Toten der Anfalkampagne.


Biara Women's Center


Biara im Hauramangebirge direkt an der iranischen Grenze rund um die bedeutende Wahlfahrtsstätte eines Suffiordens hat in den letzten Dekaden viel mitgemacht; nach dem Iran-irakischen Krieg und der Bombardierung mit Gas durch die irakische Armee wurde Bijara zum Stützpunkt besonders rigider islamistischer Gruppen, zuletzt war hier ein Hauptstützpunkt des irakischen Arms von Al-Quaida.

Nach der Befreiung 2003 haben die zurückgekehrten Bewohner das Dorf erneut wiederaufgebaut. Nun wurde Hilfsarbeit erst möglich. Das Frauenzentrum in Bijara eröffnete 2004. Seine kleine Bibliothek bietet einen beliebten Treffpunkt für die Frauen des Ortes.

 
 
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AKTUELLES

Standorte: Halabja
Projektstart: 2004  (Biara und Kifri wurden 2013 abgeschlossen)
Mitarbeiterinnen: 30 (insgesamt)
Angebote: Alphabetisierung, Computer-, Näh- und Friseurkurse, Rechtsberatung, Seminare und vor allem ein Treffpunkt für Frauen.
tägl. Besucherinnen: ca. 200
benötigtes Jahresbudget: 22.000,- EUR
Unterstützer: USAID, Weltgebetstag der Frauen, österreich. Außenmimisterium, Roselo Foundation, Green Cross u.a.

Das Frauenzentrum in Halabja auf Facebook

Aktuelles:

MSNBC | 2.12.2015
Women's center in Iraqi Kurdistan aids refugees


Al Jazeera | 30.6.2015
Halabja gas attack victims welcome Iraqis fleeing ISIL

Wadi News | 29.6.2015
Generalkonsul begeistert von Halabja Friedenssommer


Wadi News | 22.6.2015
Der Halabja Sommer des Friedens - eine gemeinsame Initiative von Einwohnern und Flüchtlingen


Wadi News | 29.4.2014

Zehn Jahre Frauenzentrum in Halabja


Projektbericht für 2013 |
Projects to assist victims of chemical attacks



Projekt
Das erste Frauencafé im Irak

Pressespigel
UK in Iraq | 17.11.2010
Giving Support to Women's Centres in Halabja, Byara and Kifri (engl.)